Eine neue Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung geht der Frage nach, wie es um die "Arbeitswilligkeit" von Arbeitslosen bestellt ist. Schlussfolgerung: Im SGB II betreute Arbeitslose sind oftmals gering qualifiziert, aber nicht weniger arbeitswillig.
Die Frage des Leistungsmissbrauchs und die Praxis des Einforderns einer "Gegenleistung" für die materiellen Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende - z. B. durch den Einsatz von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen allein zum "Test der Arbeitsbereitschaft" - sind immer wieder Gegenstand der fachwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskussionen. In Bezug auf diese Frage liegt nunmehr eine neue Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung vor.
Mit den Daten des sozio-oekonomischen Panels kann gezeigt werden, dass ein Zehntel der Arbeitslosen nach eigener Aussage keine Erwerbstätigkeit mehr anstrebt. Dabei handelt es sich allerdings nahezu ausschließlich um ältere Personen. Ein weiteres Zehntel steht dem Arbeitsmarkt zwar prinzipiell zur Verfügung, könnte eine angebotene Stelle jedoch nicht sofort, sondern frühestens nach mehr als zwei Wochen antreten.
Ein relevantes Ausmaß von "Arbeitsunwilligkeit" unter den registrierten Arbeitslosen wird durch die DIW-Studie nicht belegt. Vielmehr werfen die Ergebnisse weitergehende Fragen zur Arbeitsuche und Arbeitsmotivation der Arbeitslosen auf. So ist beispielsweise über die Gründe für das beschriebene Arbeitssuchverhalten und für die teilweise nur beschränkte kurzfristige Verfügbarkeit derzeit keine statistisch repräsentative Aussage möglich. Anzunehmen ist, dass sowohl Resignation angesichts der Arbeitsmarktlage als auch teilweise ungünstige Rahmenbedingungen erklärende Faktoren für das Arbeitssuchverhalten sind. Hemmnisse für eine sehr kurzfristige Verfügbarkeit könnten - dies legen qualitative Studien nahe - u.a. darin liegen, dass eine gewisse Zeit benötigt wird, um Lösungen für eine zu den Arbeitszeiten passfähige Kinderbetreuung zu finden.